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Neustart für die Altersvorsorge: Wie Sie ab dem 1. Januar 2027 Geld vom Staat kassieren können

Die Reform der privaten Altersvorsorge betrifft auch Menschen, die bisher wenig mit Aktien, Fonds und ETFs zu tun hatten. Was sich beim Sparen fürs Alter ändern soll.

Auch bei kleinen Sparbeträgen kommt im Lauf der Zeit einiges zusammen. Bildquelle: Pixabay

Es gibt Nachrichten aus der Finanzpolitik, die man getrost überblättern kann. Und es gibt solche, die für die eigene Zukunft wirklich etwas ändern. Die Reform der privaten Altersvorsorge gehört in die zweite Kategorie – auch und gerade für alle, die sich bisher noch nie mit Aktien, Fonds oder ETFs beschäftigt haben.

Was genau ist beschlossen worden?

Der Bundestag hat am 27. März 2026 das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedet, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Kernstück der Reform ist ein neues Produkt: das Altersvorsorgedepot. Ab dem 1. Januar 2027 können Bürgerinnen und Bürger darin fürs Alter sparen – mit Aktien, Fonds und ETFs (Exchange Traded Funds, zu Deutsch etwa: börsengehandelte Indexfonds).

Das Altersvorsorgedepot löst die Riester-Rente ab, ohne bestehende Verträge zu gefährden: Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, kann ihn behalten oder freiwillig wechseln, ohne bereits erhaltene Förderungen zurückzahlen zu müssen.

Warum überhaupt eine Reform?

Die Riester-Rente galt lange als die naheliegende Wahl für die private Altersvorsorge. In der Praxis litt sie jedoch unter einem Konstruktionsfehler: der Pflicht, die eingezahlten Beiträge zu garantieren. Das klingt zunächst beruhigend. Es hat aber einen Preis. Um die Garantie einzuhalten, mussten Anbieter einen großen Teil des Geldes in wenig rentierliche Anlagen wie Anleihen stecken. In Zeiten niedriger Zinsen blieb davon oft wenig Rendite übrig, gleichzeitig fielen hohe Kosten an. Das neue Altersvorsorgedepot verzichtet auf diesen Garantiezwang und macht damit den Weg frei für Anlagen mit deutlich besseren langfristigen Renditechancen. Wer dennoch Wert auf Sicherheit legt, kann sich weiterhin für Produkte mit Garantie entscheiden – die Wahl liegt beim Sparer.

Was bekommt man dafür vom Staat?

Der Staat fördert das Sparen im Altersvorsorgedepot mit einer Zulage, die sich nach der eingezahlten Summe richtet: Für die ersten 360 EUR im Jahr gibt es eine Zulage von 50 %, für weitere Beiträge bis 1.800 Euro im Jahr eine Zulage von 25 %. Wer den vollen Betrag ausschöpft, kommt so auf eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr – zusätzlich zum eigenen Sparbeitrag. Für jedes Kind gibt es zudem eine Zulage von bis zum 300 Euro jährlich. Diese wird so lange gezahlt, wie das Kind kindergeldberechtigt ist. Wer einen Sparvertrag vor Vollendung des 25. Lebensjahres abschließt, erhält zudem einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus.

Wie ist die steuerliche Situation?

Die Beiträge sind in der Ansparphase steuerfrei, besteuert wird erst später, bei der Auszahlung im Ruhestand. Wichtig für alle, die selbstständig arbeiten: Der Kreis der Förderberechtigten wurde ausgeweitet, sodass künftig auch Selbstständige von der Förderung profitieren können. Für alle, die sich bei der Produktauswahl unsicher fühlen, plant die Bundesregierung zusätzlich ein Standarddepot in öffentlicher Trägerschaft – eine einfache, staatlich organisierte Alternative ohne komplizierte Vorauswahl. Und damit die Kosten nicht wieder die Rendite auffressen, gilt für Standardprodukte künftig ein Kostendeckel von 1,0 %.

Lohnt sich Wertpapiersparen überhaupt?

Wer sein Geld über Jahrzehnte auf einem Sparkonto liegen lässt, verliert real Kaufkraft, sobald die Inflation über dem Zinssatz liegt. Aktien und breit gestreute Fonds haben diese Hürde historisch übersprungen: Über lange Zeiträume von 20, 30 oder mehr Jahren haben sich Rückschläge einzelner Jahre in der Vergangenheit meist wieder ausgeglichen. Wer früh beginnt, profitiert zudem vom Zinseszinseffekt: Erträge werden wieder angelegt und erwirtschaften ihrerseits Erträge. Aus kleinen, regelmäßigen Beträgen kann so über die Jahre eine ansehnliche Summe werden. Genau dieses Prinzip macht sich das Altersvorsorgedepot zunutze – kombiniert mit einer Förderung, die den Einstieg zusätzlich erleichtert.

Warum ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Umdenken

Wer bislang gedacht hat, Wertpapiersparen sei nur etwas für Börsenprofis, bekommt mit dem Altersvorsorgedepot einen guten Anlass, diese Vorstellung zu überdenken. Die Reform macht den Einstieg einfacher, günstiger und planbarer als bei der Riester-Rente. Ergänzt wird sie durch die zeitgleich beschlossene Frühstartrente, mit der der Staat schon für Kinder ab sechs Jahren ein eigenes Altersvorsorgedepot mit einem monatlichen Beitrag von 10 EUR startet – ein Signal, dass der Gesetzgeber den langfristigen Vermögensaufbau über den Kapitalmarkt inzwischen als festen Baustein der Altersvorsorge versteht.

Der 1. Januar 2027 ist noch etwas hin. Die Zeit bis dahin lässt sich gut nutzen, um sich mit den Grundlagen des Wertpapiersparens vertraut zu machen – damit der Einstieg ins neue Altersvorsorgedepot kein Sprung ins kalte Wasser wird, sondern ein gut vorbereiteter erster Schritt. Auf unserer Seite mehr-geld.info werden wir Sie dabei unterstützen.

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