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Stefan Riße im Interview: „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr“

Stefan Riße: „Geschenktes Geld vom Staat sollte man nicht liegenlassen“. Foto: Tanja Cammerlander

Schon als Schüler beschäftigte sich Stefan Riße (Jahrgang 1968) mit den Themen Finanzen und Geldanlage. In jungen Jahren bereits lernte er Investorenlegende André Kostolany kennen und galt bis zu dessen Tod im Jahr 1999 als enger Vertrauter des Altmeisters. Bekannt wurde Riße als Journalist unter anderem durch seine Live-Berichte vom Frankfurter Börsenparkett für den Fernsehsender n-tv. Seit 2018 arbeitet er als Kapitalmarktstratege für die Fondsgesellschaft ACATIS. Wir sprachen mit ihm über die ACATIS-Initiative zum staatlich geförderten Altersvorsorgedepot, das im Januar 2027 startet:

Herr Riße, am 1. Januar 2027 startet in Deutschland ein neues Vorsorgemodell, das ganz offiziell Altersvorsorgedepot heißt. Ihr Arbeitgeber ACATIS betreibt schon seit geraumer Zeit die Internetseite altersvorsorgedepot.de. Zufall?

Riße: Eher nicht. Die Seite geht auf eine Initiative von ACATIS-Gründer Dr. Hendrik Leber aus dem Jahr 2019 zurück, der damals schon monierte, dass es in Deutschland im Unterschied zu anderen Ländern keine steuerbegünstigten Wertpapiersparpläne gab; die komplexe Riester-Rente blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Über einen unserer Kunden gelangte der Name offenbar ins Wahlprogramm der FDP und später in den Referentenentwurf der Ampelkoalition.

Die Ampel zerbrach, bevor das Modell beschlossen war. Jetzt kommt die Neuauflage der schwarz-roten Bundesregierung. Geblieben ist der Name.

Riße: Wir freuen uns, wenn aus einer Diskussion, die wir angestoßen haben, etwas Sinnvolles entsteht. Das Modell geht sogar über unseren Vorschlag hinaus, der nur die steuerliche Absetzbarkeit der Sparraten vorsah. Jetzt bezuschusst der Staat das Wertpapiersparen mit bis zu 540 Euro jährlich, dazu kommen Kinderzulagen. Das ist sinnvoll, denn eine reine Steuerersparnis hätte bei niedrigen Einkommen kaum gewirkt – der Anreiz wäre dort am geringsten gewesen, wo Vorsorge am nötigsten ist. Einiges missfällt uns allerdings auch.

Zum Beispiel?

Riße: Der gravierendste Punkt: Neben dem reinen Altersvorsorgedepot soll es Varianten mit 80 bis 100 Prozent Kapitalgarantie geben. Da wären wir wieder bei Verträgen à la Riester, deren vergleichsweise vielschichtigen Gebührenstrukturen im Zusammenspiel mit den Absicherungskosten die Rendite größtenteils aufzehren. Laut einer Studie der Universität Kassel bevorzugt die Mehrheit der Bundesbürger allerdings genau diese renditeschwächeren Varianten. Vor uns liegt also noch viel Aufklärungsarbeit, wir müssen die öffentliche Diskussion am Laufen halten.

Wo setzen Sie an?

Riße:  Über unsere Seite altersvorsorgedepot.de informieren wir fortlaufend über regulatorische Änderungen und Marktentwicklungen, vor allem aber über Renditemöglichkeiten. Freigeschaltet sind bereits ein Renten-, ein Rentensteuer-, ein Rentenlücken- und ein Lückenschlussrechner. Wer sie nutzt, kann Anlagebeispiele per E-Mail anfordern, die bewusst ohne die unfassbar teuren Garantiekomponenten auskommen – sofern uns der Gesetzgeber nicht noch dazu zwingt.

Wie überzeugen Sie Zweifler?

Riße:  Zum Beispiel mit der Macht des Zinseszinses: Wer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren den höchsten förderfähigen Eigenbeitrag von 1.800 Euro jährlich einzahlt und dann aufhört, hat zu Rentenbeginn mehr in der Tasche als jemand, der erst mit 35 anfängt und bis zum Ruhestand durchspart. Frappierend, nicht wahr? Bei einer langfristigen Aktienmarktrendite von sieben bis acht Prozent geht diese Rechnung auf. Man kann also nicht früh genug anfangen.

Für alle, die früh anfangen wollen, aber noch keine Kapitalmarkterfahrung haben: Bieten Sie auch die Eröffnung von Depots an, die den regulatorischen Anforderungen entsprechen?

Riße:  Das haben wir vor. ACATIS hat kein Privatkundengeschäft und wird auch keine Depotbank. Aber die Eröffnung von flexiblen Depots wie auch Standarddepots soll über unsere Website möglich sein. Wir sprechen bereits mit verschiedenen Brokern über Kooperationen; auch eine White-Label-Lösung ist denkbar. Bei jungen Menschen ist uns zweierlei aufgefallen: Alles muss übers Smartphone zu bedienen sein – eine Idee ist deshalb, die Oberfläche im Stil von Finfluencer-Seiten zu gestalten. Und die Jugend handelt in aller Regel über Neobroker, die fast nur ETFs anbieten, keine aktiv gemanagten Fonds. Auch dem wollen wir Rechnung tragen.

 Unter anderem mit dem ACATIS Altersvorsorgedepot UCITS ETF – eine weitere Namensgleichheit, die sicher kein Zufall ist?

Riße:  Natürlich nicht, der Name stammt ja von uns. Der ETF ist insofern aktiv gemanagt, als unser Fondsmanagement die 50 enthaltenen Aktien auf Herz und Nieren geprüft hat. Bei den Branchen orientieren wir uns am MSCI World, bei den Ländern nicht: Um Klumpenrisiken zu vermeiden, sollen die USA höchstens 50 Prozent ausmachen. Das Portfolio wird quartalsweise angepasst, die finale Auswahl und Gewichtung übernimmt die bewährte KI unserer Schweizer Tochtergesellschaft NNAISENSE. Der ETF ist auf langfristigen Wertzuwachs ausgelegt und so konzipiert, dass Markteinbrüche schnell wieder aufholbar sind.

Die Seite altersvorsorgedepot.de dient aber nicht nur der Vermarktung Ihres eigenen Produkts?

Riße:  Sie dient natürlich auch der allgemeinen Information, wir verdienen daran nichts. Die Anlagebeispiele enthalten selbstverständlich auch Indexfonds anderer Anbieter. Je näher der Starttermin rückt, desto mehr werden diese Anbieter mit günstigen Konditionen auf den Markt drängen, ein weiterer positiver Aspekt für Anleger. Es gibt kostengünstige Vehikel zum Vermögensaufbau plus geschenktes Geld vom Staat – und damit keine Ausreden mehr.

 

Steckbrief ACATIS Altersvorsorgedepot UCITS ETF

Wertpapierkennnummer (WKN): A428XC
ISIN: DE000A428XC1
Kurs am 07.10.2026: 25,64 €
Gebühren (TER): 0,4 % p.a.
Ausschüttungsart: Thesaurierend
Fondsvolumen: 15,2 Mio. €
Auflagedatum: 06.05.2026
Anlageregion:
Weltweit
Risiko: Mittel
Sparplanfähig: ja

 

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