Fachsprache schafft Distanz. Genau das ist bei der Geldanlage das Problem:
Wer nicht versteht, worüber gesprochen wird, entscheidet entweder gar nicht oder verlässt sich blind auf andere. Beides kann teuer werden. Die folgenden
50 Begriffe decken den Kern dessen ab, was in Beratungsgesprächen, Produktunterlagen und Börsenberichten vorkommt. Fachchinesisch kurz erklärt, in verständlichem Deutsch.
Aktie
Ein Anteil an einem Unternehmen. Wer eine Aktie kauft, wird Miteigentümer und ist am Gewinn beteiligt – aber auch am Verlust. Der Wert einer Aktie kann täglich schwanken.
Anlagehorizont
Der Zeitraum, über den das Geld angelegt bleiben soll. Je länger er ist, desto besser lassen sich zwischenzeitliche Kursverluste aussitzen.
Anleihe oder Rentenpapier (englisch: Bond)
Ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen, verbrieft in einem Wertpapier. Der Anleger bekommt regelmäßig Zinsen und am Ende der Laufzeit sein Geld zurück – vorausgesetzt, der Schuldner kann zahlen.
Ausgabeaufschlag oder Agio
Eine einmalige Gebühr beim Kauf von Fondsanteilen, meist 0 bis 5 % der Anlagesumme. Sie fließt an den Vertrieb, nicht in den Fonds.
Ausschüttend und thesaurierend
Ein ausschüttender Fonds zahlt Erträge regelmäßig aufs Konto aus. Ein thesaurierender Fonds legt sie sofort wieder an, sodass das Vermögen schneller wächst.
Basisinformationsblatt
Ein gesetzlich vorgeschriebenes Kurzdokument von maximal drei Seiten. Es fasst Kosten, Risiken und Funktionsweise eines Anlageprodukts zusammen und muss vor dem Kauf ausgehändigt werden.
Benchmark
Der Vergleichsmaßstab für einen Fonds, meist ein Index. Er zeigt, ob der Fondsmanager besser oder schlechter abgeschnitten hat als der Markt.
Blue Chip oder Standardwert
Umgangssprachlich für die Aktie eines großen, etablierten Unternehmens mit stabilem Geschäft – in Deutschland etwa die Werte im DAX. Der Begriff stammt von den hochwertigsten Jetons im Casino.
Bonität
Die Kreditwürdigkeit eines Schuldners. Ratingagenturen bewerten sie mit Noten von AAA (sehr sicher) bis D (zahlungsunfähig). Je schlechter die Bonität, desto höhere Zinsen muss der Schuldner bieten.
Börse
Der organisierte Marktplatz, an dem Wertpapiere gehandelt werden. Angebot und Nachfrage bestimmen dort laufend den Preis.
Bulle und Bär
Zwei Sinnbilder für die Marktrichtung. Der Bulle stößt mit den Hörnern nach oben und steht für steigende Kurse, der Bär schlägt mit der Tatze nach unten und steht für fallende.
Depot
Das Konto, auf dem Wertpapiere verwahrt werden. Ohne Depot bei einer Bank oder einem Broker lassen sich keine Aktien oder Fonds kaufen.
Derivat
Ein Finanzprodukt, dessen Wert sich von einem anderen Wert ableitet – etwa von einer Aktie oder dem Ölpreis. Derivate dienen der Absicherung, werden aber auch zur Spekulation genutzt.
Diversifikation
Die Streuung des Geldes über viele verschiedene Anlagen. Läuft eine schlecht, fangen die anderen den Verlust ab. Die wirksamste und günstigste Methode zur Risikosenkung.
Dividende
Der Teil des Unternehmensgewinns, der an die Aktionäre ausgezahlt wird. Über die Höhe entscheidet die Hauptversammlung, in Deutschland meist einmal im Jahr. In den USA hingegen sind vierteljährliche Ausschüttungen üblich.
Dividendenrendite
Die Dividende im Verhältnis zum Aktienkurs, angegeben in Prozent. Sie zeigt, wie viel Ausschüttung man für den eingesetzten Betrag bekommt.
Durchschnittskosteneffekt (englisch: Cost Average Effect)
Wer regelmäßig denselben Betrag anlegt, kauft bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen weniger. Das glättet den durchschnittlichen Einstandspreis.
Einlagensicherung
Der gesetzliche Schutz von Bankguthaben. In der EU sind je Kunde und Bank 100.000 EUR abgesichert. Für Wertpapiere gilt sie nicht – sie bleiben ohnehin Eigentum des Anleger, auch für den Fall, dass die Bank, bei der sie verwahrt werden, pleitegeht.
Emittent
Der Herausgeber eines Wertpapiers, also das Unternehmen hinter der Aktie oder der Schuldner hinter der Anleihe.
ESG
Kurz für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (englisch: Environmental, Social, Governance). Diese drei Kriterien prüfen nachhaltig ausgerichtete Fonds zusätzlich zu den rein finanziellen Kennzahlen.
ETF
Ein börsengehandelter Indexfonds (englisch: Exchange Traded Fund). Er bildet einen Index einfach nach, statt einzelne Titel auszuwählen. Dadurch ist er deutlich kostengünstiger als ein gemanagter Fonds.
Festgeld und Tagesgeld
Zwei Formen der Bankeinlage. Beim Tagesgeld ist das Geld jederzeit verfügbar, der Zins kann sich jederzeit ändern. Beim Festgeld ist es für eine feste Laufzeit gebunden, dafür steht der Zins fest.
Fonds
Ein gemeinsamer Topf, in den viele Anleger einzahlen. Das Geld wird gebündelt in Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert. Schon kleine Beträge sind so breit gestreut.
Freistellungsauftrag
Der Auftrag an die Bank, Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrags steuerfrei zu stellen. Ohne ihn führt die Bank die Steuer auch auf kleine Beträge ab.
Gesamtkostenquote
Die jährlichen laufenden Kosten eines Fonds in Prozent des Vermögens (englisch: Total Expense Ratio, TER). Sie wird automatisch abgezogen. Handelskosten des Fonds sind darin allerdings nicht enthalten.
Hebel
Ein Mechanismus, der Kursbewegungen vervielfacht. Mit wenig Einsatz lässt sich viel bewegen – nach oben wie nach unten. Hebelprodukte können zum Totalverlust führen.
Immobilienfonds
Ein Fonds, der in Gebäude investiert und die Mieteinnahmen an die Anleger weitergibt. Bei Immobilienfonds gelten Mindesthalte- und Kündigungsfristen, weil sich Immobilien nicht kurzfristig verkaufen lassen.
Index
Ein Korb ausgewählter Wertpapiere, der die Entwicklung eines Marktes abbildet – etwa der DAX für die 40 größten deutschen Börsenwerte. Ein Index lässt sich nicht direkt kaufen, wohl aber über einen ETF.
Inflation
Der allgemeine Anstieg der Preise. Sie entwertet Ersparnisse schleichend: Bei der Prozent Inflation kann man in zehn Jahren für 100 Euro nur noch das kaufen, was heute rund 74 Euro kostet.
ISIN und WKN
Zwei Kennnummern, die ein Wertpapier eindeutig identifizieren. Die ISIN ist international gültig und zwölfstellig, die WKN ist die ältere deutsche Variante mit sechs Stellen.
Kapitalertragsteuer
Die Steuer auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, oft auch Abgeltungsteuer genannt. Sie beträgt 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer und wird von der Bank direkt einbehalten.
Klumpenrisiko
Die Gefahr, die entsteht, wenn ein zu großer Teil des Vermögens von einem einzelnen Faktor abhängt – einer Aktie, einer Branche oder einem Land. Das Gegenmittel heißt Diversifikation.
Kupon
Der feste Zinssatz einer Anleihe. Er bezieht sich immer auf den Nennwert, also den Betrag, den der Schuldner am Laufzeitende zurückzahlt – nicht auf den aktuellen Kurs.
Kurs-Buchwert-Verhältnis
Der Aktienkurs geteilt durch das anteilige Eigenkapital je Aktie, abgekürzt KBV. Ein Wert unter 1 bedeutet, dass die Börse das Unternehmen niedriger bewertet als sein bilanzielles Vermögen.
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Der Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie, abgekürzt KGV. Es zeigt, wie viele Jahresgewinne im Kurs bereits eingepreist sind. Ein niedriges KGV gilt als günstig, kann aber auch auf Probleme hindeuten.
Leerverkauf (englisch: Short Selling)
Der Verkauf geliehener Wertpapiere in der Erwartung fallender Kurse. Fällt der Kurs, kauft der Leerverkäufer billiger zurück und verdient an der Differenz. Steigt er, sind die Verluste theoretisch unbegrenzt.
Limitorder
Ein Kaufauftrag mit Preisobergrenze oder ein Verkaufsauftrag mit Preisuntergrenze. Er schützt vor unerwartet schlechten Kursen, wird aber möglicherweise gar nicht ausgeführt.
Liquidität
Wie schnell und verlustfrei sich eine Anlage in Bargeld verwandeln lässt. Eine DAX-Aktie ist hochliquide, eine Eigentumswohnung nicht.
Marktkapitalisierung
Der Börsenwert eines Unternehmens: Aktienkurs multipliziert mit der Zahl aller Aktien. Danach richtet sich, ob ein Unternehmen als groß oder klein gilt.
Portfolio
Die Gesamtheit aller Anlagen eines Anlegers. Entscheidend für Rendite und Risiko ist weniger der einzelne Titel als die Zusammensetzung des Ganzen.
Rebalancing
Das Zurücksetzen des Portfolios auf die ursprünglich geplante Aufteilung. Gut gelaufene Anlagen werden dabei teilweise verkauft, schlecht gelaufene aufgestockt – antizyklisch und diszipliniert.
Rendite
Der Ertrag einer Anlage im Verhältnis zum eingesetzten Kapital, in Prozent pro Jahr. Sie umfasst Kursgewinne und Ausschüttungen, abzüglich der Kosten.
Rohstoffe
Materielle Güter wie Öl, Kupfer oder Gold, die an eigenen Märkten gehandelt werden. Sie werfen keine Zinsen und keine Dividenden ab – der Ertrag entsteht allein aus dem Preisanstieg.
Sparplan
Ein Dauerauftrag für Wertpapiere: Monatlich fließt ein fester Betrag in einen Fonds oder ETF. Der Einstiegszeitpunkt verliert dadurch an Bedeutung.
Spread oder Geld-Brief-Spanne
Der Unterschied zwischen dem Preis, zu dem man ein Wertpapier gerade kaufen kann, und dem, zu dem man es verkaufen kann. Diese Spanne ist ein versteckter Kostenfaktor – je kleiner sie ist, desto besser.
Stop-Loss
Ein Verkaufsauftrag, der automatisch ausgelöst wird, sobald der Kurs eine festgelegte Marke unterschreitet. Er begrenzt Verluste, garantiert aber keinen bestimmten Verkaufspreis.
Value und Growth
Zwei gegensätzliche Anlagestile. Value sucht nach unterbewerteten, oft unauffälligen Unternehmen. Growth setzt auf schnelles Wachstum und nimmt dafür hohe Bewertungen in Kauf.
Volatilität
Das Maß für die Schwankungsbreite eines Kurses. Je höher sie ist, desto stärker geht es auf und ab – und desto größer ist das kurzfristige Risiko.
Wertpapier
Der Oberbegriff für handelbare Urkunden über Vermögensrechte: Aktien, Anleihen, Fondsanteile und Zertifikate zählen dazu.
Zinseszins
Der Effekt, der entsteht, wenn Erträge nicht ausgegeben, sondern wieder angelegt werden. Sie werfen dann selbst wieder Ertrag ab. Über lange Zeiträume ist das der stärkste Hebel beim Vermögensaufbau.
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